Bankgeschäfte innerhalb Second Life
März 6, 2007
Laut Reuters plant die dänische Saxo Bank, ihren Kunden Bankgeschäfte in Second Life anzubieten. Saxo gründet mit dem VirtualTrader eine neue Plattform innerhalb von SL. Mit dem VirtualTrader sollen die SL-Bewohner ihre realen Finanzportfolios via die virtuelle Welt managen können. Wie auch mit virtueller Währung spekulieren.
Verrückt, nicht?
Megatrend oder nur Hype?
März 2, 2007
Die Zeitschrift Capital berichtet unter dem Titel «Megatrend Second Life» über die neue Wunderwelt (via prblogger). Und auch darüber, dass Manager vor lauter Arbeit im «First Life» gar keine Zeit mehr fänden, sich mit der Parallelwelt Second Life zu befassen. Daher entsteht bei den Entscheidern und Fachleuten nur Halbwissen. Und daraus dann ein Hype?
Kritische Stimmen wie etwa die von Volkswagen-Marketingleiter Jochen Sengpiehl (via iBusiness) monieren: «Die Menschen sollten ihre Energie in der realen Welt einsetzen, statt sie in der virtuellen Welt zu vergeuden.» Letzlich sei Second Life gefährlich und überflüssig. Wer hat schon mal gesagt, die Welt braucht maximal fünf Computer?
Ok… Wendet man das Konzept der Hype Cycles von Gartner an, meinen manche gar: «Wir befinden uns knapp nach Phase 2 (Spitze der überhöhten Erwartungen) auf dem Weg zum “Tief der Ernüchterung”.» Ich glaube, Second Life und weitere virtuelle Welten stehen erst am Anfang.
Warum also sollten Unternehmen den Einstieg in Second Life wagen, wenn sie hier nicht einem Hype zum Opfer fallen wollen und einen Megatrend nicht verpassen sollten?
1. Wegen der PR/Publicity?
Schliesslich kommt jeder investierte Franken für ein Engagement in SL tausendfach zurück… Weil Medien darüber berichten… Oder ist der PR-Zug bereits abgefahren? Ich bin der Meinung: nur mit guten, neuen, innovativen Konzepten hat man als Unternehmen noch eine Chance auf die Aufmerksamkeit der Medien. PR darf nicht das primäre Ziel sein, me-too-Strategien kommen im Markt schlecht an.
2. Wegen dem Big Business?
Wohl kaum: Noch fehlt die Kritische Masse an Usern. Die Business-Modelle scheinen noch nicht alle ausgereift und Marketing-Möglichkeiten noch lange nicht ausgeschöpft zu sein. SL könnte auch einfach ein zusätzlicher Kontakt- respektive Kommunikationskanal sein?
3. Weil Unternehmen in SL eine bestimmte Zielgruppe ansprechen können?
Sicher. Schliesslich halten sich auf SL User auf, die gebildet, klug und sicher auch kaufkräftig – oder zumindest kauflustig sind. Wo sonst trifft das Marketing auf anonyme 3-D-Wesen, mit denen es zu kommunizieren gilt? Noch fehlen Studien, die Auskunft über die Profile, Beweggründe und Typologien der User geben könnten.
4. Um sich als innovatives Unternehmen zu profilieren?
Vielleicht eine gute Möglichkeit, sich einerseits innerhalb der eignenen Unternehmens-Organisation als besonders pionierhafte Kraft hervorzutun. Oder auch auf dem Endkunden-Markt. Die Profilierung darf aber nicht primäres Ziel sein. Der Innovationsgeist sollte schon zum Unternehmen passen.
5. Wegen der Erfahrungen?
Ja. Ich glaube, Second Life ist einfach eine Chance. Eine Chance, neue Erfahrungen mit dem 3D-Web, Social Shopping u.a.m. zu machen. Und sicher auch eine ausgezeichnete Möglichkeit, eine Community kennen zu lernen, die es nicht zu unterschätzen gilt. Die Zahl der User wächst schliesslich mit 15 bis 30 %. Rasant.
Second Life ist wie eine «Sandbox»: Eine Spielwiese, auf der ein neuartiges Medium in den Marketing-Mix integriert und die Potenziale für die Kommunikation genutzt werden können. Versuchen Sie es. Ich glaube, sie werden es nicht bereuen. Ob Megatrend oder Hype. So oder so.
Es bleibt spannend. Schliesslich kommt demnächst die Integration von Voice auf SL. Ich jedenfalls, ich bleibe dran.
